Warum Video-Telefonie für Senioren so wichtig ist
Viele Angehörige wohnen weit entfernt von ihren Eltern oder pflegebedürftigen Angehörigen. Regelmäßiger Kontakt ist dennoch möglich – und wichtig. Video-Telefonie hilft dabei, Nähe zu schaffen, ohne vor Ort zu sein. Ein gemeinsames Lächeln oder ein kurzer Austausch per Video gibt Sicherheit und fördert das Wohlbefinden auf beiden Seiten.
Die passende Technik auswählen
Welches Gerät eignet sich?
Für die meisten Seniorinnen und Senioren sind Tablets besonders geeignet. Sie haben einen großen Bildschirm, ein geringes Gewicht und sind einfach zu bedienen. Auch Smartphones oder Laptops können genutzt werden, wenn sie bereits vorhanden sind. Wer noch kein Gerät besitzt, sollte auf folgende Kriterien achten:
- Großes, gut ablesbares Display
- Einfache Bedienung (z. B. wenige Tasten, klare Symbole)
- Gute Lautsprecher und Kamera
- Stabile Internetverbindung (WLAN oder Mobilfunk)
Tipp: Tablets für Senioren
Es gibt spezielle Tablets für Senioren. Sie sind oft vorkonfiguriert und bieten große, übersichtliche Symbole. Manche Modelle haben einen Notrufknopf oder vereinfachte Menüs. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob solche Funktionen für Ihre Situation sinnvoll sind.
Schritt für Schritt: Video-Telefonie einrichten
1. Gerät vorbereiten
- Gerät vollständig aufladen oder dauerhaft an den Strom anschließen.
- WLAN einrichten oder SIM-Karte mit Datenvolumen einsetzen.
- Software-Updates durchführen, damit alles aktuell bleibt.
2. Passende App auswählen
Bekannte Apps für Video-Telefonie sind zum Beispiel WhatsApp, Skype, Zoom, FaceTime (nur für Apple-Geräte) oder Google Meet. Wählen Sie eine Anwendung, die Sie selbst gut kennen. Das erleichtert die spätere Unterstützung.
Achten Sie darauf:
- Die App sollte kostenlos und ohne komplizierte Anmeldung nutzbar sein.
- Große Schaltflächen und eine übersichtliche Oberfläche sind hilfreich.
- Prüfen Sie, ob die App auf dem gewählten Gerät installiert werden kann.
3. App installieren und einrichten
- Laden Sie die App aus dem jeweiligen App-Store (Google Play Store, Apple App Store) herunter.
- Folgen Sie den Anweisungen zur Installation.
- Erstellen Sie ggf. ein Benutzerkonto. Nutzen Sie dabei eine E-Mail-Adresse, auf die Sie Zugriff haben oder die Sie gemeinsam verwalten können.
- Speichern Sie Ihr eigenes Profil (z. B. als “Tochter Anna” oder “Sohn Max”) im Adressbuch der App ab.
4. Bedienung vereinfachen
- Legen Sie die App als Symbol direkt auf den Startbildschirm.
- Entfernen Sie nicht benötigte Apps, um Verwirrung zu vermeiden.
- Aktivieren Sie ggf. den “Einfach-Modus” oder “Seniorenmodus” des Geräts. So werden Symbole größer und Menüs übersichtlicher.
- Notieren Sie wichtige Schritte (z. B. “So starten Sie einen Videoanruf”) auf einem Zettel neben dem Gerät.
5. Testanruf durchführen
- Vereinbaren Sie einen festen Termin für den ersten Videoanruf.
- Rufen Sie gemeinsam an und erklären Sie dabei jeden Schritt.
- Bleiben Sie geduldig, lassen Sie Ihre Eltern selbst ausprobieren.
- Zeigen Sie, wie sie einen Anruf annehmen und beenden.
- Wiederholen Sie die wichtigsten Handgriffe, bis sie sicher sitzen.
Häufige Fragen zur Nutzung
Was tun, wenn die Verbindung schlecht ist?
- Prüfen Sie die Internetverbindung (WLAN-Signalstärke, Datenvolumen).
- Platzieren Sie das Gerät möglichst nah am Router.
- Schließen Sie andere Apps, die viel Datenvolumen verbrauchen.
Wie kann ich das Gerät vor Fehlbedienung schützen?
- Aktivieren Sie, wenn möglich, einen “Kinderschutz” oder “Kiosk-Modus”.
- Richten Sie automatische Updates und Backups ein.
- Sichern Sie wichtige Kontakte als Favoriten.
- Legen Sie eine Hülle oder einen Ständer bereit, damit das Gerät nicht herunterfällt.
Kontaktzeiten klar vereinbaren
Regelmäßigkeit gibt Sicherheit. Vereinbaren Sie feste Zeiten für Video-Gespräche – zum Beispiel jeden Sonntag um 15 Uhr. Das hilft, sich auf den Kontakt zu freuen und die Technik routiniert zu nutzen. Halten Sie die Termine möglichst ein. Falls Sie verhindert sind, informieren Sie rechtzeitig.
Tipps für ein gutes Gespräch
- Sprechen Sie langsam und deutlich.
- Achten Sie auf ausreichend Licht im Raum.
- Halten Sie das Gerät ruhig, am besten auf einem Tisch oder mit einer Halterung.
- Beginnen Sie jedes Gespräch mit einer Begrüßung und fragen Sie, ob Bild und Ton gut ankommen.
- Besprechen Sie Alltagsthemen, teilen Sie kleine Erlebnisse – das schafft Nähe.
Was tun, wenn es nicht klappt?
Geduld ist wichtig. Technik kann anfangs überfordern. Bleiben Sie ruhig und loben Sie kleine Fortschritte. Bei Unsicherheiten helfen oft kurze, schriftliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen oder Fotos vom Bildschirm. Manchmal kann auch ein Nachbar oder eine Pflegekraft vor Ort unterstützen.
Wenn die Einrichtung nicht gelingt oder Unsicherheiten bestehen, nutzen Sie die kostenlose Pflegeberatung Ihrer Pflegekasse oder einen Pflegestützpunkt (§ 7a SGB XI). Hier erhalten Sie individuelle Unterstützung, auch zum Thema digitale Teilhabe.
Schritt für Schritt starten
Nutzen Sie unseren Pflege-Startcheck, um zu prüfen, welche digitalen Kontaktmöglichkeiten für Ihre Familiensituation am besten passen.

