
Für Arbeitgeber
Pflegende Mitarbeitende erkennen und unterstützen: Praxisratgeber für Führungskräfte
Warum Führungskräfte pflegende Mitarbeitende im Blick haben sollten
Pflegeaufgaben im privaten Umfeld betreffen viele Berufstätige – oft unerkannt. Für Unternehmen bedeutet das: Leistungsträger geraten in Überlastung, Fehlzeiten steigen, Motivation sinkt. Wer als Führungskraft frühzeitig unterstützt, stärkt das Team und bindet Mitarbeitende langfristig.
Typische Anzeichen erkennen
Pflegende Mitarbeitende sprechen selten offen über ihre Situation. Achten Sie auf diese Signale:
- Plötzliche Veränderungen im Arbeitsverhalten (z. B. Unpünktlichkeit, Konzentrationsprobleme)
- Häufige kurzfristige Fehlzeiten oder spontane Urlaubsanträge
- Erschöpfung, Übermüdung, Rückzug aus dem Team
- Reduzierte Leistungsfähigkeit trotz erkennbaren Bemühens
Diese Hinweise können viele Ursachen haben. Sprechen Sie sie wertschätzend und diskret an – ohne zu spekulieren oder Druck zu machen.
Sensibel ansprechen: So gelingt das Gespräch
- Vertraulichkeit wahren: Wählen Sie einen ruhigen Rahmen. Signalisieren Sie, dass das Gespräch unter vier Augen bleibt.
- Beobachtungen schildern, nicht bewerten: “Mir ist aufgefallen, dass Sie in letzter Zeit öfter später kommen. Gibt es etwas, das Sie belastet?”
- Zuhören und Verständnis zeigen: Lassen Sie Raum für die Antwort. Viele Betroffene zögern, private Belastungen zu teilen.
- Unterstützungsangebote machen: Weisen Sie auf mögliche Hilfen im Unternehmen hin, z. B. flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder externe Beratung.
Wichtig: Sie müssen die Situation nicht lösen. Ihr Ziel ist, Unterstützung zu signalisieren und Orientierung zu geben.
Praktische Unterstützungsmöglichkeiten im Unternehmen
- Flexible Arbeitsmodelle: Gleitzeit, Teilzeit oder mobiles Arbeiten ermöglichen.
- Kurzfristige Freistellung: Prüfen Sie, ob Mitarbeitende kurzfristig frei nehmen können, z. B. mit Pflegezeit nach gesetzlicher Regelung (aktuelle Infos bei Ihrer Personalabteilung).
- Betriebliche Sozialberatung: Bieten Sie Kontakt zu externen Beratungsstellen oder EAP-Programmen an.
- Informationen bereitstellen: Stellen Sie Links und Kontakte zu Pflegekasse, Pflegestützpunkt und seriösen Online-Angeboten bereit.
- Unterstützung durch Kolleg:innen erleichtern: Ermöglichen Sie Vertretungsregelungen und offene Kommunikation im Team.
Nicht alles muss sofort umgesetzt werden. Schon kleine Schritte entlasten.
Rechtliche Hinweise: Orientierung geben, keine Beratung ersetzen
Sie dürfen Mitarbeitende auf gesetzliche Möglichkeiten wie Pflegezeit oder Familienpflegezeit aufmerksam machen. Verweisen Sie aber immer auf die kostenlose Pflegeberatung der Pflegekasse oder den Pflegestützpunkt (§ 7a SGB XI) für individuelle Rechts- und Leistungsfragen. Eigene Auskünfte sollten Sie auf allgemeine Informationen beschränken.
Unternehmenskultur: Offenheit und Wertschätzung fördern
Führungskräfte prägen die Unternehmenskultur. Werden pflegende Mitarbeitende unterstützt, signalisiert das: Hier zählt der Mensch. Das steigert Motivation und Loyalität. Fördern Sie einen offenen Umgang mit Vereinbarkeit und zeigen Sie Wertschätzung für das Engagement außerhalb des Jobs.
Angebote für Ihr Unternehmen: Sicher Gepflegt für Mitarbeitende
Viele Unternehmen nutzen externe Angebote, um pflegende Mitarbeitende gezielt zu entlasten. “Sicher Gepflegt” bietet kompakte, verständliche Informationen und digitale Tools speziell für Angehörige in Pflegesituationen. Damit Ihre Mitarbeitenden schnell Klarheit und Orientierung gewinnen – und sich wieder auf ihre Arbeit konzentrieren können.
Ihr nächster Schritt
Informieren Sie sich über “Sicher Gepflegt für Mitarbeitende” und prüfen Sie, wie Sie Ihr Unterstützungsangebot erweitern können. So stärken Sie Ihr Team nachhaltig.
